Atelier

Bilder physikalisch & chemisch

Hier finden Sie Details zu Maltechnik, Farben, Aufhängung von Keilrahmen, Einrahmung, zur Physik und Chemie im Farbfilm und zur Gemäldepflege. "Atelier" (franz. →Werkstatt) wird im Kunstdiskurs der Arbeitsraum des Malers genannt, vielleicht weil es romantisch klingt oder auf die feinere handwerkliche Seite der Malerei zu verweisen scheint; im Atelier wird jedoch einfach nur gearbeitet.

Malerei ist Technik; sie ist durch die physikalischen und chemischen Bedingungen im Farbfilm gekennzeichet. Was vom Bild sichtbar ist, sind von der Farboberfläche reflektierte Lichtstrahlen. Das Muster an elektromagnetische Strahlung, welches die Farboberflächen eines Bildes an die Netzhaut der Betrachter reflektieren, sind der Ganze eigentliche Inhalt der Kunst. Der Untergrund, auf dem gemalt wurde, ist nicht sichtbar, bestimmt aber die Anmutung der Gemäldeoberfläche und damit die gesamte Bildwirkung. Gemalt wird zumeist auf einer hellen Grundierung, selten direkt auf der Leinwand. Diese ist lediglich der mechanische "Malgrundträger", auch wenn das Leinwandmuster, das "Korn", in die Gestaltung des Gemäldes mit einbezogen wird.

Wesentlich für die Haltbarkeit und dauerhafte Funktion der "Farbe" ist das Bindemittel. In allen Farben sind die selben Pigmente Träger des Reflektionsvermögens. Titandioxid, das helle, strahlende Weißpigment der Malerei, ist in der Wandfarbe der Wohnräume, in der Ölfarbe des Landschaftsmalers, in der Akrylfarbe des modernen abstrakten Malers und im Deckweiß des Schülermalkastens dasselbe. Nur die Bindemittel unterscheiden sich. Sie bestimmen die Anmutung, den Glanz und die Sattheit des Farbaufstriches.

Wässrige Bindemittel, wie die Akrylbinder, trocknen durch Verdunstung des Lösemittels Wasser. Ölige Bindemittel, wie das Leinöl der Ölfarbe, trocknen chemisch durch Sauerstoffaufnahme. Leinöl wird aus den Samenkapseln der Flachspflanze gewonnen. Es ist seit 500 Jahren das am meisten verwendete Bindemittel in der Malerei. Es wird in modernen Ölfarben teilweise durch Kunstharze und Naturharze substituiert, um die Filmeigenschaften und das Trocknungsverhalten der Ölfarbe zu verbessern. Die Akrylbinder sind weniger Lichtempfindlich und dauerelastischer, als die Ölfarbfilme.

Leinwand wurde erst im 15. Jahrhundert in die Malerei eingeführt, als in der Renaissance die Bildformate größer wurden. Man übernahm die Technik, Leinwand auf Rahmen aufzuspannen, aus dem Theaterkulissenbau. Sie galt zunächst als billiger Ersatz für die sehr viel teureren, aufwendig herzurichtenden Holztafeln. Die parkettierten Holztafeln der gotischen Malerei sind auf großen Flächen nicht stabil genug und auch zu schwer. Für große Formate (etwa "Die Hochzeit zu Kanaa" von Veronese) nähte man Leinwandbahnen zusammen; die sichtbaren Nähte störten frühere Betrachter offenbar nicht.

Heute wird alles "Leinwand" genannt, was sich als bemalbares Gewebe eignet. "Leinwand" ist aber nur die richtige Bezeichnung für ein Maltuch, welches aus Flachsfasern gewebt wurde. Die meisten modernen Gemälde werden auf Baumwoll-Kunstfaser-Mischhgeweben gemalt, weil diese weniger hygroskopisch und elastischer sind, als die Naturfasern des Flachses dies zulassen. Durch die Wuchshöhe des Flachses sind dessen Fasern nur etwa 1 m lang. Dadurch entstehen die Knoten in der Flachsleinwand, an denen sie unmittelbar zu erkennen ist. Große Webstühle können dennoch nur etwa 3 m breite Flachsfasergewebe weben, echte Leinwand ist auf größeren Breiten zu empfindlich für Wellungen durch erschlaffen der Fasern. Die Feuchteempfindlichkeit von Leinwand und Holztafeln machen in Museen aufwendige Maßnahmen für gleichbleibende Luftfeuchtigkeit notwendig.

11. November 2017

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