Suche

Zeichnungen sind Entwicklungsgeschichtlich vor der Malerei einzuordnen. Zeichnen ist die erste bildhafte Äußerung des Frühmenschen (der bald auch die flächige und freie Malerei entdeckte). Aus Linien und Punkten, optischen Singularitäten also, entstehen Grundstrukturen, die bildhafte Verständigung ganz ohne Farbe ermöglichen. Zeichnungen sind reine Abstraktionen. Koloriert oder teilübermalt stehen sie zwischen der Zeichnung und der Malerei. Zeichnerisch kann jede bildhafte Situation entworfen werden. Die ihr eigene Reduktion auf das absolut notwendige an Darstellungsmitteln bei gleichzeitiger vollständiger bildhafter Informationsübertragung erfüllt den Anspruch des Hedonismus an die Kunst.

Zitat aus Hypomnema

Entwürfe und Skizzen zu machen für etwas, was ich mir vorstellen will, ist mir schon seit Kindheit etwas selbstverständliches. Zeichnungen und vor allem ausgearbeitete Pastellarbeiten oder Aquarelle als eigenständige Arbeit anzusehen, liegt mir aber nicht. Wiewohl es z. B. im 18. Jahrhundert in Frankreich und England herausragende Meister in diesen Techniken gab. Ich sah in Zeichnungen schon immer etwas vorläufiges, einen Plan, den es noch auszuführen gilt, einen Entwurf oder eine Notiz zu einer Idee, mehr nicht. Bis heute lösen sich die Zeichnungen selbst der alten Meister für mich nicht wirklich vom Charakter einer technischen Zeichnung, wie ich sie in meinem früheren Beruf zu hunderten anfertigte. Das mögen Kunstsachverständige für dilettantisch halten, ich kann doch nur den Versuch, das Potentielle in Zeichnungen sehen; obwohl ich selber schon viele Gemälde dabei verdorben habe, wenn ich sie ‚vollenden‘, über den Inhalt der Zeichnung hinaus kommen wollte.

ebd.

########

Scroll Up