Detail: 1895 90 110, "Blick", Tempera/Öl/Lnwd. (verfügbar)

Gemäldepflege

Zu keiner Zeit standen den Künstlern bessere Werkstoffe und bessere Verarbeitungshinweise zur Verfügung, als heute. Dennoch müssen Gemälde pfleglich behandelt und sorgfältig aufgehängt werden, wenn sie ihre Farbschönheit und Anmutung und damit ihren Wert behalten sollen.

 

Voraussetzungen

Gemälde werden heute vorzugsweise auf reißfestem Kunstseidenmaltuch in Leinenbindung mit hochlichtechten Farben gemalt und partiell oder ganzflächig mit einem reversiblen Schutrzfilm („Firnis“) auf der Basis von rezenten Naturharzen und Bienenwachs beschichtet. Gemälde auf klassischer Flachsleinwand sind wegen ihres natürlichen Webmusters geschätzt, bieten aber hinsichtlich der Dauerhaltbarkeit keine wesentlichen Vorteile gegenüber modernen Webstoffen (z. B. aus Polyester). Zunehmend werden die Naturharze und das Wachs der Beschichtungen durch benzinlösliche Akrylate oder, bei Akrylmalereien in wässrigen Bindemitteln, durch wasserabbindende Akrylatdispersion ersetzt. Malereien auf Papier werden zu Stabilisierung auf Leinwand doubliert oder auf Platten kaschiert und ähnlich Oberflächenbehandelt. Zeichnungen werden durch lösemittelhaltige Fixative vor dem verwischen geschützt, heute häufig auf Basis alkohollöslicher Kunstharze (z. B. Mowilith). Allgemein wird versucht, eine möglichst elastische Farb- und Firnisschichten zu erreichen, die später auftretende Spannungen innerhalb des Gemäldeträgers (Leinwand, Papier, Holz) ausgleichen können. Werkstofftechnisch gute Gemälde besitzen dadurch schon alle maltechnischen Voraussetzungen, als langfristige Wertanlage viele Jahre dauerhaft und stabil ihre ursprüngliche Wirkung zu behalten. Dennoch sind einige Punkte zu beachten, die dem Werterhalt Ihres Gemäldes dienen.

 

Bedingungen am Aufhängeort

Gemälde sollten in einem normal trockenen (Luftfeuchte um 60 %) und durchschnittlich geheizten Raum aufgehängt werden (20 – 25° C). Sie sollten nicht der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt sein (normales Fensterglas hält schon mehr als 90% des schädlichen UV-Lichtes ab). Eine künstliche Beleuchtung sollte Tageslichtqualität mit UV-Schutzeinrichtung haben (Neon- bzw. Xenonlampen mit Glasabschirmung), sofern man nicht die warmen Farbtöne des Gemäldes durch eine warmtönige Beleuchtung (z. B. Halogenlampen [einfache Wolfram-Glühbirnen sind ungeeignet]) hervorzuheben wünscht. Manche moderne Leuchtdiodenlampen haben angenäherte Tageslichtqualität (5000 K) und sind frei von schädlicher UV-Strahlung. Sie zeigen die Farbgebung des Gemäldes wie annähernd unter natürlichem Licht, unter dem ja die meisten Gemälde ja auch gemalt wurden.

 

Wellige Leinwände

Durch wechselnde Luftfeuchtigkeit im Raum oder trockene Heizungsluft im Winter kann die Leinwand leicht schlaff werden, gerade bei Gemälden auf Flachsleinwand ist dies der Fall. Dies ist normal und geht meist von alleine wieder weg. Nur bei dauerhaftem Welligbleiben der Leinwand kann durch leichtes Nachschlagen der Keile des Keilrahmens die Leinwand nachgespannt werden. Bei gerahmten Gemälden sollte dies nur vom Einrahmungsfachmann durchgeführt werden. Unbedacht vorgegangen „überkeilt“ man den Rahmen, d. h. der Keilrahmen hat dann im Rahmen zu wenig Spiel für Ausdehnung durch Feuchtigkeitsaufnahme oder Wärme. Durch leichtes nebelartiges übersprühen der Rückseite der Leinwand mittels Wasser aus einer Blumenspritze kann die Leinwand ebenfalls einmalig und langanhaltend nachgespannt werden. Auch dies sollten Sie besser dem Fachmann überlassen, wenn das Gemälde gerahmt ist. Bei Gemälden über ein Quadratmeter Fläch empfiehlt sich eine Vierpunktaufhängung – die einzige Gewähr dafür, dass sich der Keilrahmen auf Dauer nicht verzieht.

Positiv auf das Gemäldeverhalten hinsichtlich welliger Leinwände wirken sich auch Rückwände aus Karton aus, die auf dem Keilrahmen von der Rückseite aufgeschraubt (oder auch mit Tackerklammern angeheftet) werden. Diese schützen auch den offenen Gemäldefalz zwischen Keilrahmen und Leinwand vor Staub und Insekten.

 

Reinigung

Gereinigt wird ein Ölgemälde ausschließlich durch leichtes Abstauben mit trockenem Tuch. Exkremente von Insekten oder Spinnen können vorsichtig mit einem gering feuchten Wattestäbchen herausgetupft werden. Dabei darf auch eine leichte Seifenlauge verwendet werden. Die Leinwand darf aber nicht punktförmig belastet werden; muß man stärker reiben, ist das Bild von der Wand abzunehmen, damit von der Rückseite ein Gegendruck ausgeübt werden kann, der ein durchbeulen der Leinwand beim Reinigen verhindert. Tempera-Gemälde oder Tuschearbeiten auf Papier dürfen nur Trocken gereinigt werden, durch Radierungen mit speziellen, weichen Reinigungsradierern; das sollte man der Fachwerkstatt überlassen. Ölgemälde auf Papier, die auf Leinwand oder Holztafeln doubliert wurden, werden wie normale Ölgemälde gereinigt. Für Akrylgemälde oder mit Akryllack gefirnisste Gemälde gilt das gleiche; sie sind in der Regel unempfindlicher und vertragen etwas mehr Feuchte beim Reinigen.

 

Weitere Informationen

Eine gute und weitergehende Darstellung der Gemäldepflege von Leinwandgemälden finden Sie hier:
http://kunst-gutachter.de/fachinformation/gemaeldepflege/

 

__________
2017-09  Überarbeitet, Link neu hinzu.
2014-04  Durchgesehen, Korrekturen.
2010  Erstveröffentlichung.