Eine interessante Frage, die immer wieder einmal gestellt wird, bezieht sich auf das diffizile Verhältnis zwischen dem Künstler und der Galerie im Rahmen des Kommissionsgeschäftes mit Kunst. Zuletzt fragte ein Interessent (wörtlich):

„Kann der Künstler vom Kunsthändler/Galeristen/Auktionshaus die Nennung / Herausgabe der Adressdaten der Käufer seiner Arbeiten verlangen? Gibt es dafür gesetzliche Regelungen …?“

Interessant ist die Fragestellung, weil sie offenbar durch die (komplexen) Regeln des Kommissionsrechtes evoziert wird. Die vielen Rechenschaftspflichten des Kommissionärs (der Galerie also), und die weitreichenden Weisungsbefugnisse des Kommittenten (des Künstlers) gegenüber dem Kommissionär scheinen es möglich zu machen, auch noch die Anschrift des Käufers herauszuverlangen.

Aber, die Antwort muss selbstredend lauten: Nein, dazu hat der Künstler kein Recht und der Galerist keine Pflicht. Zumindest nicht regulär; aus dem Kommissionsvertragsrecht heraus nämlich nur für den Fall, wenn der Kommissionär (Kunsthändler, Galerist, Auktionshaus) ein Werk des Künstlers (des Kommittenten) auf Kredit verkauft und eventuelle Probleme damit dem Künstler überlassen will. Dies ist in § 384 Abs. 3 HGB geregelt:

„Der Kommissionär haftet dem Kommittenten für die Erfüllung des Geschäfts, wenn er ihm nicht zugleich mit der Anzeige von der Ausführung der Kommission den Dritten namhaft macht, mit dem er das Geschäft abgeschlossen hat.“

Gibt der Kommissionär die Anschrift nicht, haftet er dem Künstler für die Zahlung oder die Wiederbeschaffung des ggf. bereits ausgelieferten Werkes uneingeschränkt. Will sich der Kommissionär aus der Haftung befreien, muß er dem Kommittenten den Namen und die die Anschrift des Käufers nennen. Der Künstler/Kommittent kann aber erst nach Abtretung der Forderung an den Kunden/Schuldner selbst herantreten, § 392 Abs. 1 HGB.

Einen solchen Verkauf auf Kredit muss der Künstler aber nicht gelten lassen: er braucht den Händler nur anzuweisen, z. B. keinen Verkauf auf Kredit vorzunehmen, § 385 Abs. 1 HGB. Der Händler kann dennoch auf Kredit oder billiger verkaufen, wenn er den Preisunterschied oder die Zahlung eines säumigen Schuldners selbst gegenüber dem Künstler ausgleicht, der dieses Geschäft dann annehmen muß, § 386 Abs. 2 HGB.

Auch aus dem Folgerecht des Künstlers als Urheber seines eigenen Werkes ergibt sich kein unbedingter Anspruch, den Namen und die Anschrift des Käufers zu erfahren, § 26 UrHG. Wohl kann der Künstler von dem an der Weiterveräußerung seines Werkes beteiligten Kunsthändler (oder Auktionator) Namen und Anschrift des Käufers verlangen (§ 26 Abs. 4 u. 5 UrHG); zahlt aber der Kunsthändler dem Künstler den Veräußerungserlösanteil (§ 26 Abs. 2 UrHG), kann er die Nennung des Käufers verweigern (§ 26 Abs. 5 UrHG). Zudem können die Ansprüche aus dem Folgerecht nur durch eine Verwertungsgesellschaft (z. B. durch die VG Bild-Kunst) geltenden gemacht werden (§ 26 Abs. 6 UrHG).

Die Kontakte zu den Kunden sind eben das Betriebskapital des Händlers, des Galeristen oder des Auktionators, mühsam durch jahrelanges werben erarbeitet. Die gesetzlichen Regeln schützen dieses Kapital des Händlers genau so, wie sie z. B. das materielle und geistige Eigentum des Künstlers an seinem Werk schützen.

„Gibt es dafür gesetzliche Regeln oder müsste das im Kommissionsvertrag zwingend festgeschrieben sein?“

so die weitere Fragestellung des Interessenten. Gesetzliche Regelungen dazu sind vorstehend erläutert, für den zweiten Teil der Frage gilt: grundsätzlich besteht Vertragsfreiheit, solange die gesetzlichen Regeln nicht zum Nachteil einer der Vertragsparteien damit unterlaufen werden. Es könnte also vorher mit dem Kommissionsvertrag geregelt werden, daß die Namen der Käufer an den Kommittenten gegeben werden – nur kann ich mir nicht vorstellen, daß sich ein seriöser Kommissionär (Galerist) sich darauf einließe, aus den vorgenannten Gründen. Es scheint mir auch nicht ratsam, einem potentiellen Kommissionär eine solche Vertragsbedingung anzutragen (will man als seriöser Kommittent gelten).

Nicht selten wollen die Käufer den Künstler kennenlernen und besuchen Ausstellungen in der Galerie, auf der der Künstler anwesend ist. Und nicht selten wird der Künstler nach der Ausstellung von interessierten Sammlern angesprochen, ob nicht ein besserer Preis für ein Kunstwerk direkt im Atelier möglich sei – das alte Dilemma. Hier muss der Künstler selbstverständlich fest bleiben und an den Galeristen verweisen.

Zwischen Galeristen und Künstlern ist deshalb auch eine exakte Absprache zu treffen über solche Werke, die der Galerist nicht verkauft hat und an den Künstler zurückgeben will. Solche Werke sollte der Künstler direkt aus dem Atelier verkaufen können, zumindest nach einer zu vereinbarenden Karenzzeit. Will der Galerist Werke aus einer Ausstellungskommission längerfristig behalten, z. B. für spätere Ausstellungen, so sollte er auch für die Lagerung und Versicherung sorgen und nicht dieses an den Künstler übertragen. Das ist die beste Lösung überhaupt, weil ein nicht im Atelier vorhandenes Werk auch nicht aus dem Atelier verkauft werden kann.

Ist das Verhältnis zwischen Galerist und Künstler gut, spielt das Ganze wohl auch keine Rolle mehr. Man kennt sich und hält sich selbstverständlich an die Regeln. Dann kann der Galerist getrost hinnehmen, daß der Künstler potentielle Kunden in seinem Atelier empfängt und der Künstler kann darauf vertrauen, daß der Galerist ihn nicht übervorteilt. Gegenseitiger Argwohn ist Zeichen unklarer oder zu neuer oder einfach schlechter Beziehungen zwischen Künstler und Galerie.

 

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2017-09  Durchgesehen, Textgestaltung verbessert.
2016-09  Korrekturen, Textwerweiterung.
2016  Erstveröffentlichung.

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26. September 2017

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