Auf der Website eines „Namensvetters“ gefunden:

„Diese mit dem Zeichentablet gefertigten Gemälde stehen zur Diskussion. Was unterscheidet Sie, abgesehen vom Charakter der Reproduzierbarkeit (welcher ebenso unterbunden, bzw. umgangen werden kann) von anderen, an der Leinwand entstandenen Werken?“ )

Neuerdings wird die Daseinsberechtigung der Malerei aufgrund digitaltechnischer Entwicklungen in Frage gestellt. Das ist Unsinn. Die gezeigten Beispiele (1 und 2) können nicht zu Vergleich herangezogen werden. Es sind eben keine Gemälde; die hochformatige Landschaft (2) sieht bestenfalls aus wie mit transparenten Markern gezeichnet, die querformatige (1) eher wie eine flüchtige Pastellzeichnung. Bei beiden ist in der Vergrößerung schon zu sehen, das sie mit unflexiblen „Werkzeugen“ gearbeitet sind, die nichts zufälliges, nichts durch physikalische Bedingungen wie nebenbei sich Ergebendes ermöglichen. Sie sind glatt und unscheinbar, lichtlos geradezu, obgleich sie auf dem Monitor ja in durchscheinenden Farben und mit Beleuchtung von hinten dargestellt werden. Mag sein, das die Bilder 1 und 2 auf dem Monitor für den ungeübten Betrachter zunächst wie Gemäle aussehen mögen, aber wenn schon in der Vergrößerung die Mängel so eklatant sichtbar werden, wie soll das erst im „Original“ wirken? Überhaupt: was wäre denn das „Original“ von den beiden Bildern, die Datensätze, die die Anweisungen für den JPEG-Interpreter enthalten? Oder ein noch anzufertigender Ausdruck? Worauf soll der erfolgen, auf „Leinwand“, wie die Hersteller ihre bedruckbaren Gewebe vermessen nennen, oder auf Papier? Ein Gemälde besteht aus körperlichem Farbstoff, wie soll das Grafiktablett oder die Software diese dritte Dimension substituieren, wie sollen die Farbtinten des Tintenstrahldruckers dies nachahmen? Selbst bei einem Aquarell ließen sich noch gröbere Pigmente im Farbauftrag mit bloßem Auge erkennen, die feinst verriebenen Pigmente der Tintendrucksysteme müssen dagegen körperlos bis immateriell bleiben.

Der Unterschied, nach dem hier gefragt ist, ist der: wären es physikalisch vorhandene Gemälde, ließen sie sich durch keine Technik wirklich reproduzieren, jeder Versuch der detaillgenauen Reproduktion wäre zum Scheitern verurteilt. Nur die digitalen Abbilder von Gemälden wirken oberflächlich betrachtet gleich und erscheinen beliebig verfielfältigbar. Dazu hat Walter Benjamin schon vor 80 Jahren endgültiges gesagt in „Das Kunstwerk im Zeitalter seinen technischen Reproduzierbarkeit“. So, wie hier gefragt ist, fragt nur, wer keine Originalgemälde kennt.

Dies scheint beim Fragesteller jedoch nicht der Fall zu sein. Ganz offensichtlich wurde nämlich die hochformatige Landschaft (2) durch digitales nachbearbeiten aus einem Original gewonnen(3). Vergleicht man die beiden Bilder (2 und 3) wird die Sinnlosigkeit der Fragestellung deutlich sichtbar. Mit einem Grafiktablett kann Malerei nicht nachgestellt werden.


Beispiel 3 ist ein Gemälde von Hermann Eller aus:
http://www2.kunst-sandra.de/zoom.php?img=1043%2F091011124955_g.jpg

Die Internetseite, auf der die Bildbeispiele als „digitale Malerei“ vorgestellt wurden, existiert inzwischen nicht mehr.

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24. Mai 2018

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