1819 70 60, ‚L’orage echappe‘, Öl/Temp./Lnwd.

Es ist kaum möglich, ein in mehreren Lagen gemaltes Bild ohne matt eingeschlagene Stellen zu malen. Die Ursachen sind dabei nicht klar – Doerner oder Wehlte geben keine wirklich befriedigenden Erklärungen für die Ursachen. Es ist anzunehmen, daß bei starker Verdünnung öliger Bindemittel in Öl- oder Temperafarben ein zu starkes Absaugen derselben in den Malgrund erfolgt; wird auf einer solchen matt aufgetrockneten Stelle weitergemalt, selbst mit erheblichen Überschüssen an öligen Bindemitteln, kommt es wiederum zum matten auftrocknen. Oder man hat derart übertrieben mit der Ölzugabe, daß unangenehm speckig aussehende und schlecht trocknende Stellen übrig bleiben.

Selbst nach monatelangem Austrocknen von Untermalungsschichten in Öl, auch bei gesättigten OW-Tempera-Bindemittel an der Nullphase, läßt sich diese Erscheinung nicht ganz ausschließen. Ein Vorfirniss aus Dammarharz oder Ketonharz bringt Verbesserung, sofern man mit der Tatsache des Anlösens der Firnisschichten durch neue Malmittelzugabe beim Übermalen zurechtkommt. Sucht man aber sehr feine Übergänge oder feinzeichnerische Details, stört die klebrige Oberfläche. Alternative Zwischenfirnisse – wie etwa reiner Eiweissaufstrich oder Nitrozelluloselack – bilden eine Artfremde Trennschicht; besser sollten doch wenig Stoffe in die Malschicht eingebracht werden.

Günstig ist es, die Tempera-Untermalung möglichst zügig und mit überall gleichbleibenden Ölmengen im Bindemittel gleichmäßig auszuführen, desgleichen bei Öluntermalungen, die mit Shellsol T statt Terpentinöl abgemagert werden können. Bei der Decklage in Ölfarben, gerade bei selbst angeriebenen Leinölfarben, muß wieder auf gleichmäßige Schichtdicke und mäßige Ölmenge geachtet werden. So können die Glanzunterschiede minimiert werden, die die Farbbeurteilung bei der Fertigstellung eines Gemäldes so sehr stören. Die verbleibenden Glanzunterschiede gleicht man mit einem partiellen Auftrag Retouchierfirnis aus. Der Firnis muß auf gute Streichfähigkeit verdünnt sein um möglichst dünne, gleichmäßige Schichten zu erzeugen. Ein dickflüssiger Firnis wie etwa der Universalfirnis RS von Schmincke kann durchaus mit einem Drittel oder der Hälfte des Volumens Terpentinöl oder Shellsol A „gestreckt“ werden, um als Retouchierfirnis verwendet zu werden. Der Aufstrich erfolgt nur partiell, wo es notwendig ist, die Überschüsse nimmt man wieder mit einem Tuch ab. Borstenpinsel oder Dachshaar-Vertreiber sind für diese Arbeit nicht so gut geeignet sind, wie die Kunstfaserpinsel von Lascaux.

Diese Firnislage bringt man vor den letzten, punktförmig und partiell erfolgenden Nachbearbeitungen in pastoser Ölfarbe auf. Danach muss das Bild monatelang im Licht trocknen, um ein vergilben des Leinöls zu vermeiden, bevor mit einem Schlußfirnis die ganze Bildfläche versiegelt wird.

 

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2017-09  Durchgesehen, Korrekturen.
2010  Erstveröffentlichung

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2. September 2017

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