1884 100 150, 'Das Mädchen mit den roten Stiefeln (Reqiuem aeternam dona eis)', Temp./Lnwd. (verkauft)
1884 100 150, ‚Das Mädchen mit den roten Stiefeln (Reqiuem aeternam dona eis)‘, Temp./Lnwd. (verkauft)

„Das Mädchen mit den roten Stiefeln (Reqiuem aeternam dona eis)“
WVZ 1884
Tempera auf Leinwand 100 x 150 cm
(verkauft)

Ein logisches Bild – das wurde erst nachträglich klar, als bei der Zusammenstellung für eine Ausstellung mit Figurationen überlegt wurde, ob dieses Gemälde vom Eigentümer für die Ausstellung geliehen werden sollte. Es ist eine der früheren Figurationsarbeiten, die die erst später aufgestellten Definitionen des Traktats bereits (in Teilen) erfüllt: es ist ein „natürliches Bild“, seine Bildaussage bewegt sich in einem eingeschränkten Wellenlängenbereich, der aber der Wirklichkeit des nebelverhangenen Winterwaldes entspricht, der Gegenstand des Bildes wäre auch a priori als Gegenstand im Bild möglich gewesen, die Bildaussage steht nicht im Widerspruch zu anderen logischen Bildern, und so weiter.

Der Friedhof jedoch, wie auch die dazu im Gegensatz stehende Kleidung des modernen Mädchens sind Bestandteile metaphysischer Art. Die Grabsteine verweisen auf die metaphysischen Vorstellungen der Religion, nach derer der Verstorbenen gedacht werden sollte, die Kleidung des Mädchens wie auch ihr übriges „normales Verhalten“ – das einer Spaziergängerin eben – ist nicht unmittelbar mit den logisch-physikalischen Relationen der Natur zu erklären; es ist nicht logisch, sonder psychologisch bedingt.

Unter dieser Maßgabe wird es schwierig sein, den modernen Mensch in einem logischen Bild darzustellen. Vielleicht ist das ja der Hinweis darauf, daß dieser eben nicht „Bestandteil der Logik“ ist, zumindest was seine spezifisch „modernen“ Lebensäußerungen angeht.


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8. August 2016

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