Sobibór
WVZ 1932a
Graphit auf Papier 20 x 30 cm

Ein Fundstück bei den Ausgrabungen in Sobibór. Die Zeichnung zeigt einen Kettenanhänger aus Silber, der von Archäologen bei den jüngsten Ausgrabungen in Sobibór gefunden wurde. Ein Kind mag dieses kleine Schmuckstück getragen haben. Der deformierte Kreis um den Davidstern wirkt wie ein Symbol für die durch die Shoa deformierte Welt. Der Stern ist im unteren Bereich nach oben gewölbt durch die Gewalteinwirkung, Wirkung und Symbol für den Aufstand von Sobibór, im Oktober 1943 … Die Skizze war als Vorarbeit gedacht für ein Gemälde (zum Thema ‚Homo homini lupus‘). Vielleicht ist dies mahnende Zeichen aber nicht dafür geeignet, gemalt und damit ästhetisch überhöht zu werden; oder noch hässlicher dargestellt zu werden, als hier schon auf der vorbereitenden Zeichnung. Beides lenkte von der Bedeutung dieses Symbols in unzulässiger Weise ab.

Nach längerem Nachdenken ist mE schon die Idee zu diesem Bild beinahe ein Frevel. Überhaupt ist zu Fragen, ob Kunst die richtige Auseinandersetzung mit dieser Menschheitskatastrophe sein kann. Vielleicht kann wirklich nach Ausschwitz oder nach Sobibór kein Gedicht mehr geschrieben, kein Bild mehr gemalt werden.

Aber zugleich muss gefragt werden: könnte es überhaupt ein wichtigeres Thema geben für die Kunst, als dieses? Ein einziger Blick in die tägliche Nachrichtenflut zeigt doch, daß der Holocaust nicht im Bewusstsein der vielen Akteure weltweit ist. Das ist nicht nur ein Versagen von Politik und Philosophie, sondern auch ein Versagen der Kunst.

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25. Mai 2018

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