Zeichnung

Bilder aus Linien

1932a - Sobibór
1932 a 20 30 "Sobibór", Graphit/Papier (verfügbar)

 

Obwohl Martin Eller schon immer viel gezeichnet hat, war lange Zeit die Zeichnung für ihn kein eigenständiges Darstellungsmittel:

"Entwürfe und Skizzen zu machen für etwas, was ich mir vorstellen will, ist mir schon seit Kindheit etwas selbstverständliches. Zeichnungen und vor allem ausgearbeitete Pastellarbeiten oder Aquarelle als eigenständige Arbeit anzusehen, liegt mir aber nicht"

 

In seiner neueren Arbeit sind zunehmend ausgearbeitete Zeichnungen enthalten, die aber dennoch "nicht wirklich Werkeigenschaften" für Martin Eller haben:

Ich sah in Zeichnungen schon immer etwas vorläufiges, einen Plan, den es noch auszuführen gilt, einen Entwurf oder eine Notiz zu einer Idee, mehr nicht. Bis heute lösen sich die Zeichnungen selbst der alten Meister für mich nicht wirklich vom Charakter einer technischen Zeichnung, wie ich sie in meinem früheren Beruf zu hunderten anfertigte. Das mögen Kunstsachverständige für dilettantisch halten, ich kann doch nur den Versuch, das Potentielle in Zeichnungen sehen.

Sein Darstellungsmittel ist die Malerei. Unter den Farbflächen auf den Leinwänden sind "häufig ziemlich gute Zeichnungen verschwunden". Zeichnungen auf der Leinwand werden von Martin Eller in Tusche mit Stahlfeder und Pinsel ausgearbeitet und mittels althergebrachter Quadratnetzprojektion auf die Malfläche übertragen. Die Tuschezeichnungen haben den Vorteil, daß sie gut zu übermalen sind, gerade in Tempera, dem bevorzugten Untermalungsmedium. Bei notwendigen Korrekturen bei der Farbanlage können fehlerhafte Farben bis auf die Tuschezeichnung gut herausgewischt werden, während die Linien der Vorzeichnung unbeschädigt stehen bleiben.

Aus dem Ganzen darf keine Geringschätzung der Zeichnung unterstellt werden; in den Vorarbeiten zu den Hypomnemata heißt es zum Beispiel:

Zeichnungen sind Entwicklungsgeschichtlich vor der Malerei einzuordnen. Zeichnen ist die erste bildhafte Äußerung des Frühmenschen (der bald auch die flächige und freie Malerei entdeckte). Aus Linien und Punkten, optischen Singularitäten also, entstehen Grundstrukturen, die bildhafte Verständigung ganz ohne Farbe ermöglichen. Zeichnungen sind reine Abstraktionen. Koloriert oder teilübermalt stehen sie zwischen der Zeichnung und der Malerei. Zeichnerisch kann jede bildhafte Situation entworfen werden. Die ihr eigene Reduktion auf das absolut notwendige an Darstellungsmitteln bei gleichzeitiger vollständiger bildhafter Informationsübertragung erfüllt den Anspruch des Hedonismus an die Kunst.

21. Juni 2016

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